25.000 Traufhöhen und 7.500 Firshöhen vermessen

2. April 2021

Die Doppelstadt Mörfelden-Walldorf liegt im Rhein-Main-Gebiet im Dreieck zwischen den südhessischen Großstädten Frankfurt am Main, Darmstadt und Wiesbaden. Etwa 34.000 Menschen wohnen in den beiden Stadtteilen, die sich über eine Siedlungsfläche von etwa 700 ha erstrecken. Die Stadt liegt direkt an der A5 südlich des Frankfurter Flughafens, der sich zum Teil auf die Stadtgemarkung erstreckt (siehe Abbildung auf der linken Seite).

Trotz des flachen Geländes besitzt Mörfelden-Walldorf eine recht abwechslungsreiche Dachlandschaft. Alte Ortskerne mit spitzen Satteldächern wechseln sich mit homogen strukturierten Neubaugebieten verschiedener Dekaden ab, die mal durch flache Satteldächer, mal durch Flachdachbungalows geprägt sind. Dazwischen befinden sich einzelne stadtbildprägende Hochhäuser und Kirchtürme.

Informationen zu Gebäudehöhen bei vielen Planungsfragen elementar

Daten zu Gebäudehöhen sind bei sehr vielen planungsrechtlichen Fragestellungen elementar. Doch nur die wenigsten Kommunen verfügen über flächendeckende Informationen über First- und Traufhöhen des Gebäudebestandes. So musste auch die Stadtverwaltung von Mörfelden-Walldorf bisher in vielen Fällen Vermessungen von Gebäuden durchführen bzw. beauftragen, da diese Informationen nicht vorlagen.

Das ist beispielsweise im Rahmen einer Bauvoranfrage für einen geplanten Neubau gemäß § 34 BauGB notwendig. So ist für die Bewertung einer solchen Anfrage essentiell, ob sich das geplante Gebäude “in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt”. Dazu müssen ebenjene “Eigenarten” – also z.B. die Trauf- und Firsthöhen – bekannt sein.

Gleiches gilt für die Aufstellung und Anpassung von Bebauungsplänen oder die Abschätzung der durch Neubauten entstehenden Verschattung. Die Notwendigkeit genauer und flächendeckender Daten ist also gegeben, sie liegen jedoch in den meisten Fällen nicht vor.

Befliegung trotz Flughafennähe für die Profis kein Problem

Drohnen mit einer großen Flächenleistung sind geradezu prädestiniert dafür, einen Bestand von mehreren Tausend Gebäuden in Lage und Höhe zu erfassen. In diesem Fall mussten im Vorfeld der Befliegung jedoch mehrere luftfahrtrechtliche Faktoren berücksichtigt werden. Das Befliegungsgebiet liegt in Teilen nur 400 m vom größten deutschen Flughafen entfernt. Zudem ist auf dem nahegelegenen Fluplatz Egelsbach die Polizeifliegerstaffel stationiert, die von dort zu etwa 1.500 Einsätzen im Jahr aufbricht.

Daher nahm das Team von svGeosolutions im Vorfeld Kontakt zur Deutschen Flugsicherung (DFS) auf, um die Rahmenbedingungen für eine Durchführung zu klären. Aufgrund früherer Befliegungen in der Nähe anderer deutscher Flughäfen bestanden bereits gute Kontakte zur DFS, alle notwendigen Kenntnisnachweise lagen vor und für den Einsatz war ein sehr sicheres Flugsystem vorgesehen. Dank dieser guten Vorbereitung wurde kurzfristig die nötige Flugverkehrskontrollfreigabe erteilt.

Nur drei Tage im Außendienst notwendig statt mehrerer Wochen

Insgesamt wurden lediglich drei Tage für die Befliegungen benötigt, um mehrere Tausend Gebäude in 3D aufzunehmen. Eine klassische Vermessung vom Boden aus hätte mehrere Wochen gedauert und wäre dement-sprechend deutlich kostenintensiver gewesen. Zudem wären im Falle einer terrestrischen Vermessung gegebenenfalls Straßen-sperrungen erforderlich gewesen und die Verkehrssicherheit am Boden beeinträchtigt worden. Die sehr leisen und kleinen Drohnen wurden dagegen vom Boden aus nicht als störend empfunden.

Zurück im Büro wurden die 22.000 Einzelphotos zu einem flächendeckenden 3D-Modell der bebauten Fläche aufbereitet. Im Anschluss konnte die teilautomatisierte Ermittlung von 25.000 Trauf- und 7.500 Firsthöhen beginnen. Die Traufhöhen wurden dabei automatisch durch das Verschneiden der Gebäudeumringe aus dem Kataster mit den 3D-Daten ermittelt. Im Gegensatz zu einer klassischen Vermessung ist der Prozess somit reproduzierbar. Die Höhen bilden den tatsächliche Schnittpunkt der äußeren Wandfläche mit der Oberkante der Dachhaut ab und nicht ein vom Boden aus geschätztes Maß.

Problemlose Integration in INGRADA

Der Stadtverwaltung liegt nun erstmals ein aktueller und vollständiger Datensatz zu den Höhen aller im Kataster enthaltener Gebäude vor. Im Rahmen von Bebauungsplanverfahren und Bauanfragen sind nun also keine weiteren Vermessungen mehr notwendig. Die Daten liegen sowohl als DWG- als auch als Shapedatei vor, sodass sie in das GIS-System INGRADA der Softplan Informatik GmbH problemlos integriert werden können. Das spart der Kommune zukünftig viel Zeit und Geld.

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