Am 5. Juni 2024 wurde die Region um Rudersberg im Rems-Murr-Kreis von einem extremen Starkregenereignis heimgesucht. Innerhalb weniger Stunden fielen örtlich mehr als 90 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders betroffen war das Einzugsgebiet der Wieslauf, ein normalerweise ruhig verlaufendes Nebengewässer der Rems. Der sonst unscheinbare Bach wurde binnen kurzer Zeit zu einem reißenden Strom – mit verheerenden Folgen für die angrenzenden Siedlungs- und Uferbereiche.
Solche Starkregenereignisse sind kein Einzelfall mehr. Meteorologen beobachten eine Zunahme extremer Wetterphänomene, die oft kleinräumig, aber umso intensiver auftreten. Gerade im Mittelgebirgsraum, wie dem Schwäbischen Wald, begünstigen Hanglagen und enge Tallandschaften ein schnelles Ansteigen von Gewässern. Die Wieslauf führt bei anhaltendem Starkregen große Wassermengen in kurzer Zeit ab – mit einem enormen Erosionspotenzial.
Ein Hochwasser mit Seltenheitswert
Hydrologen sprechen bei einem derartigen Ereignis von einem sogenannten Jahrhunderthochwasser. Die Wassermassen stiegen in kürzester Zeit stark an, traten an mehreren Stellen über die Ufer und beschädigten Wege, Brücken und Uferbefestigungen massiv. Insbesondere im Bereich von Rudersberg kam es zu massiven Überschwemmungen und infolgedessen zu Erosionen: Uferböschungen wurden unterspült, Böden abgetragen und in mehreren Abschnitten hat sich der Lauf der Wieslauf leicht verlagert.
Die hier genannten morphologischen Veränderungen sind nicht nur ein Zeichen der Wucht des Ereignisses, sondern auch eine Herausforderung für Planung und Wiederherstellung.
Vermessung des neuen Gewässerverlaufs
Im Auftrag der Gemeinde Rudersberg wurde die svGeosolutions GmbH mit der Vermessung des betroffenen Gewässerabschnitts beauftragt. Ziel war es, eine präzise, aktuelle Datengrundlage über den Zustand der Wieslauf nach dem Hochwasser zu schaffen – sowohl zur Beweissicherung als auch für die Planung künftiger Schutzmaßnahmen.
Dazu wurde der betroffene Gewässerabschnitt im Rahmen eines Drohneneinsatzes aus der Luft erfasst. Zum Einsatz kamen dabei eine RGB-Kamera zur Erstellung eines hochaufgelösten Orthophotos sowie ein Laserscanner. Die Daten des Laserscanners wurden im Anschluss dazu genutzt, um ein digitales Geländemodell (DGM) in Form einer Dreiecksvermaschung (TIN – Triangulated Irregular Network) zu erstellen.
Die Vermessungsflüge wurden unter möglichst gleichbleibenden Licht- und Wetterbedingungen durchgeführt, um eine homogene Datenqualität zu gewährleisten. Durch den Einsatz modernster Drohnentechnik konnten dabei auch schwer zugängliche Abschnitte der Wieslauf – etwa steile Hanglagen oder bewachsene Uferzonen – präzise erfasst werden. Eine Vermessung vom Boden aus hätte Tage oder sogar Wochen gedauert, die Befliegung war nach wenigen Stunden abgeschlossen.
Die Kombination aus Orthophoto und Laserscan ermöglicht eine besonders detaillierte Erfassung der Geländeform sowie der Böschungszustände und Geländeveränderungen.
Daten für Wiederaufbau und künftige Schutzplanung
Die aus der Befliegung gewonnenen Geodaten dienen nun als Basis für die Planung und Umsetzung von Sicherungsmaßnahmen. Dazu zählen unter anderem:
- die Stabilisierung und Renaturierung von Uferbereichen,
- die Neubewertung von Abflussprofilen,
- sowie die Ertüchtigung von Brücken- und Durchlassbauwerken.
Darüber hinaus sind die erhobenen Daten ein wichtiger Beitrag für die Aktualisierung der Hochwassergefahrenkarten. Diese Karten werden von den Behörden genutzt, um gefährdete Zonen zu kennzeichnen, Bauleitplanungen abzustimmen und Bürgerinnen und Bürger gezielt zu informieren.
Durch die hochpräzise Drohnentechnik lassen sich die Karten nun auf Grundlage realer, aktueller Geländedaten überarbeiten – mit höherer Genauigkeit als je zuvor. Die bisher verwendeten Hochwassergefahrenkarten basierten oftmals auf älteren, teils generalisierten Geländedaten. Dank der aktuellen Erhebung kann nun ein realitätsnahes Abbild des Ist-Zustandes modelliert werden – inklusive der durch das Hochwasser entstandenen Veränderungen.
Moderne Geodaten als Teil der kommunalen Resilienz
Das Starkregenereignis vom Juni 2024 hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, auf veränderte klimatische Bedingungen zu reagieren. Kurze, intensive Regenfälle nehmen zu – und damit auch das Risiko von Überflutungen und Hangrutschungen. Die Gemeinde Rudersberg steht mit dieser Problematik nicht allein, doch sie zeigt, wie schnell und gezielt gehandelt werden kann, wenn moderne Technologie zur Verfügung steht.
Dank der luftgestützten Vermessung durch die svGeosolutions GmbH konnten alle relevanten Geodaten erhoben, verarbeitet und den Planungsstellen zur Verfügung gestellt werden. Die erhobenen Informationen fließen nicht nur in die Gefahrenabwehr ein, sondern stärken auch die kommunale Resilienz gegenüber zukünftigen Extremwetterereignissen.
Gleichzeitig lassen sich mit den gewonnenen Daten auch langfristige Entwicklungsstrategien ableiten. Fragen wie „Wo kann künftig Raum für das Wasser geschaffen werden?“ oder „Welche Bereiche sollten bei zukünftigen Bebauungsplänen ausgespart werden?“ lassen sich fundierter beantworten.
